„Wer ausbrennt, muss einmal entflammt gewesen sein“

Das Thema Burnout wurde lange totgeschwiegen oder als Mode-Erscheinung bezeichnet. Dennoch sorgt es nach wie vor im privaten und beruflichen Bereich für viel Aufmerksamkeit und ist mit zahlreichen Unsicherheiten verbunden. Aus diesem Grund beschäftigten wir uns am 21. Juni in einer neuen Ausgabe BGFZ.Live mit den Fragen: Was ist Burnout überhaupt? Was sind Ursachen und Symptome? Und was kann man als Unternehmen tun, um Betroffenen zu helfen und künftige Fälle zu vermeiden?

Wie die Fachexpertin Frau Prof Dr. paed. Ute Rosenbaum von der Westsächsischen Hochschule Zwickau berichtete, weist Burnout kein klar abgrenzbares Symptombild auf. Aus diesem Grund wird Burnout weitläufig als Syndrom und nicht als Krankheit bezeichnet. Grundsätzlich versteht man unter Burnout den Prozess des Auszehrens von Menschen, der meist über einen langen Zeitraum hinweg entsteht. Häufig sind Personen betroffen, die ein starkes Engagement für ihre Tätigkeit zeigen, begeisterungsfähig sind und stets mit voller Motivation arbeiten – eben Diejenigen, die für eine bestimmte Sache „entflammt“ waren. Doch mit jeder zusätzlichen Tätigkeit sind Anforderungen und Erwartungen verbunden, die zur negativen Belastung werden können. Ist man über längere Zeit nicht mehr in der Lage, diese Belastungen zu bewältigen, kann ein Burnout die Folge sein.

Die Ursachen einer Burnout-Erkrankungen können vielfältig sein und aus persönlichen, sozialen oder gesellschaftlichen Umständen resultieren. So können bestimmte Persönlichkeitseigenschaften, wie das „Helfersyndrom“ oder auch ein fehlender Belastungs-Ausgleich zur dauerhaften Belastung werden. Auf sozialer Ebenen können u.a.  Überforderung, Zeitdruck, mangelnde Kommunikation, schlechte Arbeitsbedingungen oder ein unprofessioneller Führungsstil die Entstehung eines Burnout begünstigen.

In der Anfangsphase des Burnout zeigen Betroffene häufig ein noch höheres Engagement, welches von außen fast als Hyperaktivität wahrgenommen werden kann. Dieses Verhalten führt auf Dauer zu Erschöpfungssymptomen und Energiemangel. In der zweiten Phase eines beginnenden Burnouts reduziert sich das Engagement der Betroffenen deutlich und es kommt zu emotionalem und sozialem Rückzug. Dies sind häufig die ersten Symptome, die auch von der Umwelt des Betroffenen wahrgenommen werden. Hieraus resultieren oft emotionale Reaktionen (Phase 3), die von depressiv-ängstlichen bis hin zu aggressiv-gereizt-paranoiden Verhaltensweisen reichen können. In der vierten Phase kommt es zum Abbau von Leistungsfähigkeit, Motivation und Kreativität, was in der fünften Phase zu psychosomatischen Reaktionen führen kann. In der sechsten Phase empfinden Betroffene schließlich große Verzweiflung, Hilflosigkeit und Gewaltbereitschaft oder weisen sogar zu suizidalen Tendenzen auf.

Je früher eine Burnout-Erkrankung erkannt und eindeutig diagnostiziert wird, desto besser sind die Heilungschancen. Die Therapiemöglichkeiten reichen von Entspannungstechniken über naturheilkundliche und homöopathische Anwendungen bis hin zur Psychotherapie bei schwerwiegenderen Fällen. Eine wichtige Voraussetzung für den Erfolg der Therapie stellt die Eigeninitiative und der Wille des Betroffenen dar, eigene Verhaltensweisen dauerhaft verändern zu wollen.

Damit es im besten Fall erst gar nicht zur Entstehung eines Burnouts kommt, kann man auf individueller Ebene Prävention betreiben und diese auch als Arbeitgeber unterstützen. Dabei können folgende Tipps helfen:

Was kann ich selbst tun, um eine Burnout-Erkrankung zu vermeiden?

  • Die eigenen Leistungsgrenzen kennen und akzeptieren à hierbei hilft eine regelmäßige Selbstreflexion
  • Probleme und Belastungen erkennen und um Hilfe und Unterstützung bitten
  • Eigeninitiative für Veränderungen aufbringen
  • Die eigene Kommunikation verbessern à B. indem man Botschaften präzise formuliert und aktiv nachfragt
  • Bei Überforderung besteht ggf. Bedarf zur Weiterqualifikation à diesen aktiv im Unternehmen kommunizieren
  • Optimierung des eigenen Zeitmanagements z. B. durch Prioritätenlisten, Can-Ban-Boards oder mittels Tool, wie z. B. Todoist
  • Supervisionen nutzen
  • Für eine klare Trennung zwischen Berufs- und Privatleben sorgen und genügend Ausgleich schaffen

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Was kann ich als Unternehmen tun, um meine Mitarbeitenden vor einer Burnout-Erkrankung zu bewahren?

  • Arbeitsabläufe und -aufgaben klar definieren
  • Verantwortlichkeiten eindeutig festlegen
  • Für gute Arbeitsbedingungen sorgen z.B. durch räumliche Gestaltung, Schaffung von Austauschmöglichkeiten, Bereitstellung geeigneter Technik
  • den Mitarbeitenden Entscheidungsspielraum einräumen und bei Bedarf Unterstützung anbieten
  • gute Leistungen und Eigeninitiative durch Lob und Wertschätzung verstärken
  • Personalentwicklung im Blick behalten und fördern z. B. durch Weiterbildungsangebote (auch für Führungskräfte), Bonussysteme oder Benefits
  • Für ein vertrauensvolles Miteinander sorgen und ins Gespräch kommen bzw. im Gespräch bleiben z. B. durch Feedback- und/oder Mitarbeitendengespräche

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