Mit dem Fachwirt zum Vorstand

Keine fünf Minuten überlegte Ingo Reichel, als er von der Stellenausschreibung erfuhr. Nach Abstimmung im Haus setzte der Bereichsleiter der Johanniter-Unfall-Hilfe e.V., Regionalverband Zwickau / Vogtland, eine Bewerbung auf. Im Juni wurde er zum hauptamtlichen Vorstandsmitglied des Kreisverbandes Erzgebirge ernannt. „Das ist eine wirkliche Herausforderung“, räumt der 49-jährige ein. „Für den Zuschlag war meine Qualifikation als Fachwirt für Gesundheits- und Sozialwesen sicher hilfreich.“

 Ingo Reichel Heiko Hellinger klein

Übergabe: Ingo Reichel (l.) stimmt sich mit seinem Nachfolger Heiko Hellinger in der Werdauer Geschäftsstelle der Johanniter ab. Foto + Text: Kathrin Buschmann / IHK

 

Auf das Weiterbildungsangebot der IHK Chemnitz hat ihn ein Kollege bei den Johannitern aufmerksam gemacht. „Lange auf dem Schirm – nie umgesetzt“, gesteht der ausgebildete Rettungsassistent. Kurzerhand starten beide „Johanniter“ im 2017-er Kurs am Weiterbildungszentrum der Regionalkammer Zwickau. Fazit des Absolventen: „Ich habe mehr Input erhalten als erwartet. Weitergebracht hat mich vor allem der Lehrstoff in Betriebsorganisation, Projektmanagement und Marketing.“

Themen, die Ingo Reichel bereits in seiner bisherigen Funktion als Bereichsleiter für Rettungs- und Sanitätsdienst, Katastrophenschutz, Fahrdienste, Flüchtlingshilfe und Breitenausbildung mitgestalten durfte. Was die Arbeit mit dem Personal, für Qualität und Wirtschaftlichkeit der Dienste, die Leistungsfähigkeit des Wohlfahrtsverbandes betrifft, ob Ausschreibungen, Kostenverhandlungen oder neue Einrichtungen zu realisieren sind – die Fachwirtausbildung lehre strukturiertes Vorgehen.

Das erworbene Handwerkszeug konnten die Johanniter z.B. mit der professionellen Planung für ihr Projekt „Fahrdienst 2020 Plus“ erfolgreich anwenden. Aus Sicht des Zwickauers war die IHK-Weiterbildung fachlich und menschlich ein Gewinn: „Sich unter Mitschülern persönlich auszutauschen, mit den Dozenten Theorie und Praxis diskutieren bzw. bei schwierigen Inhalten sofort nachhaken zu können – das ist der Vorteil des Präsenz-Unterrichtes. Der direkte Kontakt – für mich sehr wertvoll.“

Umso mehr spürt er Dankbarkeit für die zurückliegenden Jahre bei den Werdauer Johannitern: ein super Team, das ihn 2011 auf- und mitgenommen hat, wo er in betriebswirtschaftliche Aufgaben hineinwachsen und reichlich Erfahrungen sammeln konnte. Für das neue Amt im Erzgebirge mit über 700 hauptamtlichen Mitarbeitern fühlt sich Ingo Reichel gewappnet: „Die Fachwirtausbildung hat den Blick geweitet, neue Impulse gesetzt, Selbstvertrauen gestärkt. Sie hat mir ein Baukastensystem fürs Management vermacht. Alle grundlegenden Instrumente sind vorhanden.“ Kathrin Buschmann

Karriere mit Lehre

Für Leistungsabrechnung, Beratung, Marketing benötigen Kliniken, Krankenkassen, Pflegeeinrichtungen, Arztpraxen und Wohlfahrtsverbände qualifiziertes Personal. Die Ausbildung zum Kaufmann für Gesundheitswesen bereitet auf ein interessantes und vielseitiges Aufgabengebiet vor. Ab Herbst 2020 wird erstmals eine Fachklasse am Beruflichen Schulzentrum für Wirtschaft, Ernährung und Sozialwesen Lichtenstein eingerichtet. Danach besteht die Möglichkeit, sich zum Fachwirt für Gesundheits- und Sozialwesen sowie zum Geprüften Betriebswirt IHK zu qualifizieren.

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