Ambulante medizinische Versorgung in der Diskussion

Die ambulante medizinische Versorgungssituation in der Bundesrepublik und vor Ort thematisierte eine Veranstaltung von IHK Regionalkammer Zwickau, Gesundheitsnetz und AG Zwickau am 27. September 2018. Anliegen war es, Bürgermeistern und Wirtschaftsförderern Ideen für die Sicherung hiesiger Versorgungsstrukturen vorzustellen und zu diskutieren.

Auf über 25 Jahre Erfahrungen bei Analyse, Modernisierung und Realisierung von Ärzten- und Gesundheitszentren verwiesen die Gastreferenten vom MEDZENTRUM Deutschland. Das Netzwerk aus Beratern, Kreditinstituten und Planern hilft deutschlandweit Medizinern bei Niederlassung, Nachfolgeregelung bzw. Aufbau kooperativer Strukturen. Kommunen und Landkreise erhalten bei der Patientenorientierung strategische Unterstützung. „Unsere Projekte sind der Beweis dafür, dass sich auch Regionen, die das nicht für möglich gehalten haben, neu erfinden können“, sagte Netzwerkpartner Alexander Bechtler, Frankfurt/Main.

MedizinischeVersorgung podium klein

Die Situation in Westsachsen ist kritisch: In der Stadt Zwickau sind derzeit 18 hausärztliche Plätze frei. Im ländlichen Raum kann jede zweite Hausarztstelle nicht nachbesetzt werden. Und trotz langer Wartezeiten bzw. Schwierigkeiten, überhaupt einen Arzt zu finden, gelten Zwickau und die Altkreise Zwickauer und Chemnitzer Land, laut Gesetzgeber, bei der fachärztlichen Bedarfsplanung als „überversorgt“.

Weiter zuspitzen dürfte sich die Situation aufgrund des hohen Altersdurchschnitts praktizierender Ärzte. Andererseits wirke sich die fürs Medizinstudium in Sachsen  erforderliche Abiturnote von 1,0 erschwerend auf die Nachwuchsgewinnung aus, merkten Teilnehmer an. Auch fehle eine medizinische Fakultät im Raum Chemnitz/Zwickau. Wer in Leipzig, Dresden oder in anderen Bundesländern studiert, kehrt oft nicht zurück.

Bisherige Anstrengungen verdeutlichte Verwaltungsleiter Christian Wagner, Rudolf Virchow Klinikum Glauchau. „Wir beschäftigen ausländische Mediziner, helfen bei Wohnungssuche und richten moderne Praxen ein.“ Attraktive Standortfaktoren zu schaffen, sei Aufgabe aller, ergänzte Amtsärztin Dr. Carina Pilling. Über einen Infotag am 26.11. zum geförderten Medizinstudium an der Uni Pécs (Ungarn) informierte Carmen Baumgart, Geschäftsführerin Kassenärztliche Vereinigung Sachsen, Bezirksgeschäftsstelle Chemnitz.

„Diese Zusammenkunft kann nur ein Impuls sein“, sagte IHK Geschäftsführer Torsten Spranger. „Weil medizinische Versorgung ein Grundrecht ist, elementar für die Lebensqualität unserer Bürger und weil jeder für sich, Arbeitgeber, Kommune, IHK und Landratsamt, kaum Veränderungen bewirken kann, werden wir mit der ‚AG Zwickau‘ am Thema dranbleiben.“ Text und Fotos: IHK / Kathrin Buschmann

MedizinischeVersorgung 9 klein

Zurück